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Es gibt wohl keine Stadt in Japan in der mehr Tempel und kaiserliche Bauten stehen als in Kyoto. Gleich bei unserer Ankunft haben wir festgestellt, dass Kyoto ganz anders als Osaka oder Tokyo wirkt. Obwohl es eine riesige Stadt ist in der Millionen von Menschen leben, hat sich die Stadt ihre Kultur und ihren ursprünglichen Charme bewahrt. Hier findet man keine umwerfende Skyline, sondern kleine Häuschen, verwinkelte Gässchen, Frauen im Kimono und sogar Geishas.
Unser erster Stopp war ein riesiger rechteckiger Holztempel mit 3000 Buddhastatuen. Danach ging es gleich in die berühmte Geishagasse, um ein paar Geishas zu sehen, aber leider haben die sich alle in ihren Häusern versteckt. So mussten wir unsere Suche ein anderes Mal fortsetzten. Für den nächsten Tag stand der kaiserliche Palast auf dem Plan. Wir waren uns nicht sicher, ob wir ihn tatsächlich besuchen können, da man nur mit einer Führung auf das Gelände kommt und im Internet schon alles ausgebucht war. Wir wollten es trotzdem probieren und sind zum kaiserlichen Hofdienstamt gegangen, um uns für eine Führung anzumelden und es hat tatsächlich geklappt. Da wir aber erst am Nachmittag unsere Führung hatten, konnten wir vorher noch der berühmten Shogun Burg einen Besuch abstatten. Das besondere an dieser Burg war der Nachtigalflur. Der Shogun hat in dem Flur, der um das gesamte Gebäude verläuft, einen singenden Boden einbauen lassen, um anschleichende Feinde sofort auszumachen. Der Boden gibt bei jedem Schritt ein Zwitschern von sich, dass sorgt nun vor allem bei den Touris für eine Menge Spaß. Danach konnten wir dann dem kaiserlichen Palast einen Besuch abstatten. Das Gelände ist riesig groß und besteht aus mehreren Gebäuden. Obwohl es ein Palast ist, ist alles recht schlicht gehalten und weniger auf Prunk ausgelegt, dafür wird scheinbar mehr Wert auf die Verzierung der Dächer und der Türen gelegt. Außerdem gibt es einen wunderschönen Garten auf dem Palastgelände. Dem Kaiser durfte man damals nie direkt in die Augen schauen, deshalb war der Kaiser immer hinter einem Tuch oder einem Vorhang versteckt. Den kaiserlichen Thron konnten wir auch betrachten.
Am nächsten Tag stand wieder Tempeltouring an. Unser erster Stopp an diesem Tag war ein wunderschöner Bergtempel, der in mitten der Stadt liegt und von dessen Holzveranda man einen unglaublichen Blick über Kyoto hat. Das scheinen auch alle Japaner zu wissen und so tummeln sich auf dem Tempelgelände tausende von Schülern und japanischen Touristen. Trotz der vielen Menschen konnten wir die Atmosphäre genießen. Anschließend haben wir einen Shinto Schrein besucht, den man schon von Weitem an der roten Bemalung erkennt. Von hier sind wir dann zum Philosophenweg aufgebrochen. Das ist ein schöner Spazierweg, der an einem kleinen Fluss entlang führt und im Frühling sieht man tausende von Kirschblüten. Hier kann man noch das alte Japan spüren und hier und da zu einem Tempel abbiegen. Auf unserem Spaziergang haben wir in einem kleinen Lokal halt gemacht und haben uns erstmal mit Ramen (einer Nudelsuppe) gestärkt. Das Lustige ist, dass selbst hier überall Getränke- und Eisautomaten stehen. Das ist wirklich eine tolle Erfindung! Man kann die steilste Treppe hinaufsteigen zu einem einsamen Bergtempel und oben angekommen, kann man sich erstmal ne Cola ziehen. Eins ist sicher in Japan muss niemand verdursten
.
An unserem letzten Tag in Kyoto wollten wir einen Zentempel besuchen. Ihr kennt doch bestimmt diese kleinen Steingärten, in denen man mit einem Spielzeugharken Linen und Kreise zur Beruhigung ziehen kann. So was ist das, nur in groß und dass man auf gar keinen Fall selber irgendwas harken darf
. Nur Anschauen und sich Gedanken zum Sinn des Lebens machen, ist erlaubt. Leider durften wir von dem Steingarten keine Fotos machen, aber es war wirklich schön, vor allem da wir eine Übersetzung bekommen haben und somit wussten für was jeder Stein stand. Als wir genug vom Steine anschauen hatten, sind wir zum golden Pavillon aufgebrochen und der war wirklich beeindruckend. Ganz entgegengesetzt zu allen anderen Tempeln, Burgen und Palästen wurde hier nicht mit Gold gespart. Der gesamte Pavillon war mit Gold überzogen. Anschließend haben wir noch einem anderen Zengarten einen Besuch abgestattet und sind zum silbernen Pavillon gefahren. Der sieht im Prinzip genauso aus wie der goldene, nur das er nicht mit Gold überzogen ist, aber haha, wenn ihr jetzt denkt das der mit Silber überzogen ist, liegt ihr falsch
. Den silbernen Anstrich hat man nämlich vergessen, so steht dort einfach nur ein Holzpavillon und das Augenmerk liegt eher auf dem imposanten weißen Steingarten daneben, wo ein riesiger Kegelberg aufgeschüttet ist (soll den Fuji darstellen). Von einem Aussichtspunkt hat man einen schönen Blick auf den Pavillon und den Steingarten.
Am nächsten Tag haben wir einen Ausflug zur kaiserlichen Sommerresidenz gemacht. Dafür mussten wir uns im Vorfeld auch wieder beim kaiserlichen Hofdienstamt anmelden. Eigentlich gab es die Führung nur in Japanisch und wir haben uns schon damit abgefunden, dass wir uns nur die Gebäude ansehen konnten. Zu unserer Überraschung gab es aber englische Audioguides! So konnten wir mit der Gruppe herumlaufen und konnten trotzdem was, wo und warum verstehen. Ein hoch auf die Technik! Die kaiserliche Residenz ist auch wieder sehr schlicht gehalten und besteht lediglich aus einigen Teehäusern, aber das Highlight ist die Gartengestaltung. Man hat aus jedem Winkel einen anderen Blick auf den Garten und man kann auch niemals den gesamten Garten auf einmal überblicken. Wir hätten Stunden hier verbringen können. Ein wirklich traumhafter Garten!
Als wir zurück in Kyoto waren, sind wir noch einmal zu einem Shintoschrein gegangen, genauer gesagt zum Fuchsschrein. Eigentlich stand der gar nicht auf unserer To Do Liste, aber uns haben mehrere Backpacker erzählt wie toll dieser Schrein ist und das wir uns den unbedingt anschauen müssen. Also nichts wie los
. Highlight dieses Schreins sind tausende von roten Toren durch die man endloslange laufen kann.
Am Nachmittag ging es dann weiter nach Himeji. Hier wartete eine riesige alte Shogun Burg darauf von uns erkundet zu werden. Unser Guesthouse ist direkt neben der Burg gewesen und so konnten wir schon beim Hinlaufen einen Blick auf die Burg erhaschen. Wir sind direkt drauf zugelaufen und dachten uns „sieht gar nicht schlecht aus“ ist aber eigentlich mit der Burg in Osaka vergleichbar. Plötzlich sahen wir einen riesigen Kasten, der mindestens 3 Mal so groß war wie die Burg daneben. Langsam dämmerte uns es, dass die Burg, die wir für die Burg hielten lediglich ein Turm ist und die eigentliche Burg in diesen dummen Kasten steckt und wir scheinbar die „richtige“ Burg wegen Restaurierung gar nicht sehen werden können L. Och manno!!!! Naja erstmal ins Guesthouse einchecken und dann sehen wir weiter. Das Guesthouse war total ausgebucht und wir waren die einzigen Westler, das hat aber der Gastfreundlichkeit keinen Abbruch getan und wir wurden kurzer Hand zum japanischen Barbecue eingeladen. Im Prinzip ist das ein Grill, nur dass das Feuer in einer Art Blumentopf brennt mit einem Gitter obendrauf und zum feuern keine Kohle sondern Holz genommen wird. Auf den Grill kommt dann alles Mögliche wie Fleisch, Fisch, Kohl, Pilze, Kürbis und sonstiges Gemüse. Jeder hält eine kleine Schüssel mit Soße in der Hand und hier wird dann das fertige Essen eingetunkt und dann verspeist… köstlich
!
Am nächsten Tag hat uns der Guesthousebetreiber einen Tipp für einen tollen Bergtempel gegeben und er hat uns sogar noch bis zum Berg gefahren. Hier wurden Teile des Films „Der letzte Samurai“ mit Tom Cruise gedreht. Hoch ging es dann mit einer Seilbahn und begleitet haben uns 2 nette japanische Mädels, die wir gestern beim Barbecue kennen gelernt hatten. Die beiden haben uns eine kleine Einführung in die buddhistische Religion und deren Bräuche gegeben. So haben wir an riesige Glocken geschlagen, uns vor Buddha verneigt und ein buddhistisches Horoskop gekauft. Cindys Horoskop war eher nicht so gut und deswegen musste sie es an ein Geländer binden, so bringt es trotzdem Glück
. So macht doch Religion Spaß. Erfahren haben wir noch, dass die meisten Japaner 2 Religionen haben und das sie das eigentlich wie wir eher locker angehen lassen. Den Tag haben wir mit einem Eis und durch den Park schlawenzeln ausklingen lassen. Am nächsten Tag haben wir der Burg von Himelji ein Besuch abgestattet. Wie erwähnt ist die Hauptburg unter Restauration und man sieht die Burg eigentlich nicht. Man kann aber in den Kasten reingehen und von einer Aussichtsplattform auf die Burg gucken. Immerhin konnten wir den Rest der Anlage begutachten und durch den Park laufen sowie den Turm der Prinzessin besuchen. Gegen Mittag ging es für uns weiter zur nächsten Station, nach Hiroshima.
Unser nächster Stopp sollte einer der Bewegtesten in Japan werden und sich mehr mit der neueren Geschichte auseinandersetzen. In Hiroshima wurde am 6. August 1945 die erste Atombombe der Welt in einem Krieg eingesetzt. Da wir schon zeitig mit dem Shinkansen (Hochgeschwindigkeitszug) in der Stadt angekommen waren, blieb noch Zeit, um sich schon mal im Friedenspark umzusehen. Das ist die zentrale Gedenkstätte mit mehreren Denkmälern und dem Friedensmuseum. Der A-Bomb Dome zeigt den Schrecken der Geschichte am beeindruckendsten. Es war ein ehemaliges Gebäude der Stadtverwaltung und jetzt stehen nur noch ein paar Mauern und von der Kuppel ist nur noch ein Gerippe zusehen. Das Epizentrum der Bombe befindet sich nur ein paar hundert Meter daneben. Während wir von Denkmal zu Denkmal gewandert sind, wurden wir sehr nachdenklich. So etwas darf sich nie wieder wiederholen! Die Friedensfackel, die brennen soll bis es auf der Erde keine Atomwaffen mehr geben soll, ist ein weiteres Zeichen der Stadt und ihrer Bewohner, die sich für den Weltfrieden einsetzen. Dem Museum wollten wir am nächsten Tag einen Besuch abstatten. Am Morgen ging es mit der Straßenbahn Richtung Insel Miyajima. Mit der Fähre auf der anderen Seite angekommen, wollten wir den Shintoschrein mit dem berühmten schwebenden Tor anschauen. Es war gerade Ebbe, also schwebte das Tor nicht wirklich, aber wir konnten hingehen. Die Insel ist wirklich schön mit den grünen Hügeln im Hintergrund und dem blau glitzernden Wasser. Essen waren wir in einem traditionellen Restaurant bei dem wir uns im Schneidersitz an einen tiefen Tisch gesetzt haben. Es gab frittierte Austern und Curry. Aus dem Laden sind wir getorkelt, aber nicht weil uns das Bier so zugesetzt hatte, sondern uns die Beine eingeschlafen sind
. Zurück in Hiroshima sind wir zum Museum gefahren und haben uns umfangreich zur Geschichte der Stadt, dem Atombombenabwurf und der Entwicklung danach informiert. Die Bilder und ausgestellten Gegenstände waren dann ziemlich heftig. Nichtsdestotrotz war das Museum richtig gut gemacht und hat versucht viele verschiedene Blickwinkel mit einzubeziehen. Leider hatten wir nicht genug Zeit und mussten den zweiten Teil des Museums im zügigen Schritt absolvieren, weil uns die Öffnungszeiten mal wieder in die Quere gekommen sind. Mit neu gewonnen Eindrücken ging es weiter nach Beppu auf Kyushu, der westlichsten Hauptinsel Japans.
Hier stand für die nächsten Tage nichts anderes auf dem Plan, als in diversen Heißen Quellen baden, leckeres Essen genießen und Beine hochlegen. Gebucht hatten wir ein traditionelles japanisches Zimmer mit Tanamiematten und Futonbett. Interessanterweise hatte das Zimmer nur ein WC, aber keine Dusche oder so. Denn in Beppu ist es nicht üblich, dass jeder ein eigenes Bad mit Dusche oder sogar Badewanne hat. Zum Waschen werden die öffentlichen Bäder genutzt und die gibt es in Beppu zuhauf. Denn die Stadt ist geologisch sehr aktiv, überall gibt es Heiße Quellen und das heiße Wasser wird direkt für die Wasserversorgung der öffentlichen Bäder genutzt. Besonders toll fanden wir eine Badeeinrichtung in der man ein privates Bad buchen konnte. Hier hatte man eine riesige Badewanne und eine Dampfsauna nur für sich allein und wir konnten richtig relaxen. Ein Highlight der besonderen Art war ein Schlammbad in einem Mudpool. Der Pool ist ganz natürlich und man badet sozusagen im Dreck
. Etwas gewöhnungsbedürftig war allerdings der Schwefelgeruch… ist halt Natur
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Fukuoka war unser letzter Stopp unserer Japanreise. Die Stadt ist ziemlich modern und hat nur wenig mit dem traditionellen Japan zu tun. So gab es hier weniger Tempel zu besichtigen, aber dafür mehr moderne Architektur, wie den Fukuoka Tower und Robotertechnik zu bestaunen. Im Robotersquare haben wir fast einen ganzen Nachmittag verbracht. Hier konnten wir sprechende Hello Kittys und verschmuste Robben austesten. Für uns war es ein riesen Spaß, allerdings hat es uns etwas traurig gestimmt, dass diese Roboter dafür eingesetzt werden, um alten Menschen Gesellschaft zu leisten und das ist doch schon irgendwie verrückt, oder? Wir möchten später gern von unseren Kindern und Enkeln unterhalten werden und nicht von so einem mechanischen Ding. Aber wahrscheinlich haben die Japaner gar keine Wahl, denn viele haben gar keine Kinder. Für uns war das ein etwas merkwürdiger Einblick in die japanische Gesellschaft. Ansonsten haben wir in Fukuoka noch einmal richtig das japanische Essen genossen von Nudelsuppe bis zum Sushitrain war alles dabei
.