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Frisch gelandet auf der Nordinsel in der Hauptstadt Neuseelands ging es auch direkt auf Sightseeingtour. Da wir schon am frühen Nachmittag wieder Land unter den Füßen hatten, konnten wir noch am gleichen Tag das erste Museum ansteuern. Im Museum of Wellington City & Sea ging es ganz überraschend, um die Geschichte der Stadt. Hier gab es einen Zeitstrahl und dort wurde zu jeder Jahreszahl ein historisches Ereignis beschrieben. Dabei wird einem immer wieder klar, dass die Städte hier erst Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden sind. Für Wellington als Hafenstadt typisch sind natürlich die Seefahrt und der Hafen. So dreht sich in den Anfangsjahren alles, um die Einwanderer und deren beschwerliches Leben. Spätere wichtige Ereignisse waren die Tragödie des gesunkenen Fährschiffes Wahine und ein großer Arbeiteraufstand im Hafen, der später zur Gründung der Arbeiterpartei Neuseelands führte. Nachdem Museum sind wir auf den Mount Victoria gefahren und haben uns die Stadt von oben angeschaut. Hier fällt einem auf, dass die Stadt relativ gedrungen ist, weil zwischen dem Meer und den steileren grünen Hügeln im Hinterland nur ein schmaler Streifen zum Bebauen vorhanden ist. Einwohnertechnisch ist Wellington nicht die größte Stadt des Landes, aber im Vergleich dazu gibt es ein sehr geschäftiges Stadtzentrum. An diesem Wochenende lief in der Innenstadt ein Festival zur neuseeländischen Musik. Leider war es schon ausverkauft und wir konnten nur die vielen jungen Leute quer durch die Stadt wandern sehen von Festivalarea zu Festivalarea. Die Musik konnte man bis weit zu unserem Aussichtspunkt hören und da war für jeden Geschmack was dabei. Am nächsten Tag sollte es ruhiger zugehen, denn dann waren klassische Musik und Co dran. Wir haben uns auf zum Nationalmuseum Te Papa gemacht. Dieses wurde der gesamten neuseeländischen Geschichte gewidmet. Hier gab es auf mehreren Etagen tolle Ausstellungen zur Fauna (Riesenkraken!), Flora, Geologie (Erdbebensimulator!), Klimaveränderung, Maorikultur und neueren Geschichte zu sehen. Wir fanden dieses Museum richtig gut und am liebsten wären wir noch länger geblieben, aber die Öffnungszeiten ließen nicht mit sich verhandeln. Am dritten Tag haben wir eine Tour in und um das Parlament gemacht. Die Gebäude wurden aufwendig gegen Erdbeben bis zu einer Stärke von 7,5 aufgerüstet. Zur Info: die Erdbeben bei Christchurch gingen über 9 auf der Richterskala!? Das wohl bekannteste Gebäude Wellingtons gehört mit zum Parlamentskomplex und wird aufgrund seiner Form „Bee Hive“ (Bienenstock) genannt. Interessanterweise sind dort nur ein paar Büros u.a. des Premierministers untergebracht und die Gesetze werden nebenan im Parlamentshaus gemacht. Dort befindet sich das House of Representatives. Äußerlich ist es eng an das englische Vorbild gehalten. Da Neuseeland das gleiche Wahlsystem wie Deutschland besitzt ähnelt es inhaltlich eher dem Bundestag. Seit dieses System 1996 eingeführt wurde sind auch mehr als zwei Parteien vertreten. So gibt es u.a. eine Maoripartei und eine Umweltpartei. Die regierenden Parteien sitzen immer rechts vom Speaker of the House (ähnlich Bundestagspräsident), also ist bei jedem Regierungswechsel Stühle rücken angesagt. Ein kurioser Fakt ist, dass die Queen das Staatsoberhaupt ist, sie kann gegen jedes Gesetz ein Veto einlegen und das Parlament auflösen. Von diesem Recht hat sie, aber noch nie gebrauch gemacht, so viel zur neuseeländischen Demokratie. Gleich um die Ecke haben wir noch einen Blick auf den Vertrag von Waitangi geworfen. Er gilt als Vertrag zwischen der englischen Krone und den Maoristämmen und besagt, dass Neuseeland eine Kolonie wird. Letzter Stopp in Neuseelands Hauptstadt sollten die Weta Cave sein. Das ist eine kleine feine Firma, die Requisiten und am Computer generierte Effekte für die Filmindustrie produziert. Peter Jackson der Regisseur von Herr der Ringe ist Mitbegründer und hier wurden zum Beispiel alle Waffen und Rüstungen der Charaktere hergestellt. Diese kann man dort auch kaufen, sowie allerhand Merchandisingkram. Verblüffend ist bei wie vielen Filmen Weta Cave mitgewirkt haben. Der Spitzname Wellingtons als Wellywood kommt nicht von irgendwo. Da es hier erst gegen 8 dunkel wird, hatten wir noch genug Zeit aus der Stadt zu fahren in Richtung Upper Hutt. In einem Regional Reserve in der Nähe wurden die Szenen der Elbenhauptstadt Rivendell (Bruchtal) gedreht. Über Zehn Jahre später sieht die Lichtung ohne die Häuser und Brücken natürlich nur mit sehr viel Fantasie danach aus. Weiter nördlich haben wir in Palmerston North einen hübschen Rosengarten gefunden. Die vielen verschiedenen Arten sind wirklich erstaunlich. Bester Rosenname: „ Ingrid Bergmann“.
Auf unserem Zettel stand für die Nordinsel noch einer der Great Walks. Genauer genommen ging es nicht ums Wandern, sondern ums Paddeln. Wir wollten eine Mehrtageskanutour auf dem Whanganui River machen. Also sind wir zur Stadt an der Mündung des Flusses namens Wanganui gefahren, um festzustellen, dass die Touren viel weiter oberhalb stattfinden. Der Anbieter unserer Wahl befand sich dann auch am Startpunkt der Whanganui Journey. Auf dem Weg dorthin haben wir noch einen Abstecher zum Ruapehu gemacht. Das ist der höchste der drei Vulkane im Tongariro National Park. Dort haben wir einen Wanderweg zu einem Wasserfall gemacht. Der war nicht so überragend, da kaum Wasser seinen Weg nach unten gefunden hat. Die Aussicht auf den Vulkan hat dies aber wieder wettgemacht. Der Schwefelgeruch in der Nase hat einen dabei immer daran erinnert, dass es sich hier definitiv um eine Vulkangegend handelt.
Bei den Kanuvermietern durften wir direkt unten am Fluss campen, damit wir ausgeruht am nächsten Tag frisch ans Werk gehen konnten. Ursprünglich wollten wir in den Hütten entlang der Strecke schlafen, aber aus Sicherheitsgründen mussten wir ein Zelt mitnehmen. Damit im Fall, dass wir es nicht zur Hütte schaffen, wir auf einem der vielen Zeltplätze übernachten können. Da wir kein Zelt hatten, mussten wir eins mieten und dabei haben wir beschlossen die ganze Tour im Zelt zu schlafen. Wir campen uns nun schon über ein Jahr mehr oder weniger durch die Welt, aber bis auf die drei Nächte haben wir nie im Zelt geschlafen
. Für vier Tage muss ordentlich Equipment und Essen mit. Dafür gab es fünf Fässer, die wir nach Belieben füllen sollten. Also alles rein, denn auf dem Kanu merken wir die Kilos nicht… dachten wir. Blöderweise müssen die Fässer bei jedem Camp ausgeladen werden und meistens einen kleinen Hügel hinauf gebuckelt werden... Am nächsten Morgen ging es los mit einer Theoriestunde in der Kanufahrschule, Streckenkunde, Fässer verladen und einem leckeren Kaffee. Angekommen an unserem Startpunkt haben wir die Fässer ins Boot verladen und festgemacht. Dann ging es ab ins Kanu auf dem Fluss, um die Theorie in die Praxis umzusetzen. Dazu sind wir am Rand zwei Mal auf und ab gepaddelt und haben Kurven fahren geübt. Ganz zuversichtlich, das schon irgendwie hinzubekommen, sind wir in die Strömung gefahren und um die Ecke verschwunden. Da wir bei der Streckenkunde genau aufgepasst haben, sollte die erste Stromschnelle für den heutigen Abschnitt die Schwierigste werden. Naja was soll man sagen, wir sind durchgekommen ohne zu kentern, aber die 360 Grad Drehung mittendrin war so nicht vorgesehen. Der erste Tag ist dann auch ganz schön lang geworden, weil der Fluss nur wenig Wasser hatte, war die Fließgeschwindigkeit gering. Nach ca. sieben Stunden sind wir dann am Zeltplatz angekommen. Dort haben wir dann unsere Mitreisenden getroffen, die wir immer wieder die nächsten Tage auf dem Fluss und an den Campingplätzen gesehen haben: ein neuseeländisches Pärchen und fünf nach Neuseeland ausgewanderte Holländer. Tag zwei war dann wieder lang mit 6 Stunden, aber dafür ging der Fluss im National Park weiter und die Schafe und Kühe am Flussrand wurden weniger
. Highlight des Tages war eine Stromschnelle in der eine tote Kuh auf dem Rücken lag. Ein verlorengegangenes Paddel, das wir eingesammelt hatten, haben wir auch den Besitzern zurückgeben können. Es gehörte einer jungen Frau und ihrem Vater, die aus Österreich waren. Am dritten Tag sind wir natürlich wieder ordentlich gepaddelt, aber etwa auf halber Strecke haben wir das Kanu festgemacht und sind zur Bridge to Nowhere gelaufen. Das ist im wahrsten Sinne eine Brücke im Nirgendwo. Sie wurde erbaut, um ein Tal am Fluss mit dem Rest der Welt zu verbinden. Die Regierung hatte dort nach dem zweiten Weltkrieg den heimgekehrten Soldaten Land gegeben und versprochen eine Straße zu bauen. Die Leute sollten, aber schon mal loslegen bis sie fertig ist. Also bauten sie Häuser und machten das Land urbar unter wirklich harten Bedingungen. Nachdem Teilstücke immer wieder verschüttet wurden und der Bau der Brücke das Mehrfache kostete als geplant, wurde der Bau der Straße eingestellt und die Menschen mussten nach all den Entbehrungen aus dem Tal wegziehen. Die Brücke steht jetzt für dieses Kapitel der Besiedlung Neuseelands. Die letzte Nacht unserer Tour zelteten wir neben einem der heiligen Versammlungshäuser (marae) der Maori, die jeder Stamm besitzt. Bis auf den schrägen Hüttenwart war niemand zuhause. Am letzten Tag kam es wie es kommen musste. Früh gestartet, damit wir unseren Abholtermin nicht verpassten, ging es auf den Fluss. Der letzte Abschnitt sollte es noch mal in sich haben. Die knifflige Stromschnelle vor und direkt nach der Mittagspause haben wir noch mit Bravur gemeistert. Damit sollten wir es ja eigentlich geschafft haben, dachten wir uns. Auf der vorletzten Stromschnelle der gesamten Tour (123 km) hat es uns zerlegt. Friedrich hatte sie komplett falsch angefahren, dadurch haben wir uns seitlich gedreht und sind dann quer über die Wellenberge gehüpft. Naja dann ging es halt mal ins Wasser. Nachdem wir das Kanu an den Rand gezogen haben, halfen uns die netten Ex-Holländer das Wasser heraus zu schöpfen. Das österreichische U-Bootregiment (Tochter + Vater) hatte sich dort auch den Flussgrund noch mal genauer angeschaut und so konnten wir ihnen wiederum helfen. Zum Dank hat uns der gute Mann am Zielpunkt einen Schnapsel ausgegeben. So ein Flachmann ist schon eine geile Sache! Froh dieses Abenteuer gemacht und geschafft zu haben, sind wir wieder zum Kanuverleih gefahren worden. Leider haben wir nur sehr wenige Bilder von der schönen Landschaft gemacht, weil die Kamera die meiste Zeit im Fass verbringen musste. Einen sehr guten Eindruck bekommt auf dem Werbevideo zu diesem Great Walk. Schaut mal hier: http://youtu.be/hcb5VvWXmwY Den nächsten Tag haben wir auch ganz klassisch erst mal abgespannt.
Da zu viel Rumtrödeln ja nun auch nicht unbedingt zu unseren Stärken gehört, sind wir am Tag darauf wandern gegangen auf den beiden anderen Vulkanen im Tongariro National Park. Einer davon ist der Ngauruhoe. Er ist total symmetrisch, wie man sich einen Vulkan halt vorstellt und diente als Mount Doom (Schicksalsberg) in der Herr der Ringe Trilogie. Der Wanderweg ist normalerweise sechs Stunden lang und man muss sich einen Shuttle bestellen, damit man wieder zum Anfang kommt. Da der Tongariro bzw. einer seiner Nebenkrater gerade ziemlich aktiv ist und Ende 2012 ausgebrochen war, ist der Weg nur von einer Seite freigegeben (nach drei Stunden umdrehen). Jetzt sind die Touris nicht doof, sondern fahren natürlich alle auf den Parkplatz, der am Ende des freigegebenen Teils der Strecke liegt und wandern los. Da der Parkplatz die vielen Leute nicht aufnehmen kann, wird er gesperrt und man kommt nur hoch, wenn oben ein Parkplatz frei wird. Da das bei den Menschenmassen eher selten vorkommt, sollte man sich besser ein Shuttle buchen, die kommen immer hoch. Der Shuttlebus war so teuer, dass wir uns den verkniffen haben und den Weg vom Highway zum Parkplatz (7 km) zu Fuß zusätzlich bewältigen wollten. Glücksschweine, wie wir sind, haben uns hinzu ein deutsches und rückzu ein französisch/belgisches Pärchen mitgenommen. Wir haben beiden noch Empfehlungen für die Südinsel mitgegeben, sodass jeder etwas davon hatte. Zum Wanderweg an sich, können wir nur sagen: DER WAHNSINN! Wann hat man schon mal die Gelegenheit zwischen zwei aktiven Vulkanen und durch deren Krater herumzukraxeln? Nur Vorsicht ist beim steilen Aufstieg geboten (ca. 800 Höhenmeter auf 8 km Strecke). Der Ausblick in und vom Vulkan ist dann ein toller Lohn für die Anstrengung. An den beißenden Schwefelgeruch gewöhnt man sich ziemlich schnell
.
Schon wieder völlig knülle nach so einem Abenteuer sind wir weiter nach Taupo mit seinem gleichnamigen See gefahren. Dort gibt es eine thermische Quelle an der heißes Wasser direkt in einen Fluss fließt. Da braucht ihr nicht lange fragen was wir fast den ganzen Nachmittag gemacht haben. Total verschrumpelt nach der Aktion haben wir an unserem Jahrestag noch lecker frischen Lachs mit Wein bei Kerzenlicht geschlemmt. Das Ganze ging fast in die Hose, weil uns das Gas für unseren Kocher ausging. Cindy hatte Friedrich an dem Tag noch verklickert, dass wir neues Gas brauchen und die Dose schon in der Hand gehabt. Er meinte, dass es bestimmt noch reicht und in der nächsten Stadt bekommen wir sicher wieder das Günstigere. Drei deutsche Camper haben uns ihm dann aus der Patsche geholfen. Das hätte so eine Das-schmier-ich-dir-den-Rest-deines-Lebens-aufs-Brot-Geschichte werden können. Puhh!
Die nächste Stadt hat den Ruf, dass man sie zuerst riecht und dann erst sieht. Rotorua! Hier dreht sich alles, um geothermale Quellen, die Wasser oder Schlamm anheizen und blubbern lassen. Nebenprodukt dieses Spektakels ist der wohlbekannte Schwefelgeruch, der ist mit dem von fauligen Eiern vergleichbar. Vorteil in dieser Stadt ist Deo oder Parfum sind nicht nötig. Den ersten Vorgeschmack haben wir uns in einem städtischen Park von den Blubberlöchern geholt. Dort konnte man auch seine Füße in ein geothermisch geheiztes Bad halten. Zweiter Standpfeiler der Stadt sind Touren oder Parks in denen die Maorikultur den Touristen nähergebracht wird. Interessanterweise sind die Maori gegenüber dem Christentum ziemlich offen eingestellt. So haben wir uns eine Kirche angeschaut in der typische Maorischnitzereien verwendet wurden und Jesus auf einer Glasscheibe mit einem Maoriumhang eingraviert ist. Nebenan war dann ein kunstvoll geschnitzter Marae und ein Kanu (waka) lag im Fluss. Am nächsten Morgen sind wir zum Wai-o-Tapo Thermal Wonderland gefahren, um uns die ganzen geothermalen Aktivitäten noch mal genauer anzuschauen. Dort gab es einen Geysir, der mit Hilfe von Seife (verringert die Oberflächenspannung) zum Ausbruch gebracht wird. Im restlichen Park befanden sich ohne Ende Pools, die in den verschiedensten Farben schillerten. Ein großer Schlammpool war ebenfalls mit von der Partie. Cindy hat dazu ein Video gebastelt. Schaut am besten mal rein! Den Nachmittag haben wir ganz entspannt mit viel Sonne auf unserer Picknickdecke verbracht. Für den nächsten Tag hatten wir eine Tour im Whakarewarewa Living Thermal Village gebucht. Wir haben eine Führung mitgemacht und gelernt, wie die Maori die heißen Quellen zum Kochen oder Baden nutzen. Auf den lokalen Geysir Pohutu direkt in Rotorua hatten wir auch eine gute Sicht. Zum Abschluss haben wir uns noch eine Vorführung verschiedener Lieder, einer Rede und dem legendären Haka angeschaut. Letzteren haben die Krieger immer vor der Schlacht getanzt, um sich aufzuputschen. Heutzutage ist er berühmt, weil ihn das neuseeländische Rugbyteam vor jedem Spiel aufführt. Insgesamt hat die Tour sehr touristisch gewirkt, obwohl immer gesagt wurde, dass alles authentisch ist. Warum besitzt das Dorf vier Souvenirläden bei ca. 20 Häusern?
Morgen gehen wir in einem Höhlensystem, also unter Tage raften. Friedrich hat sich das als letztes Abenteuer in Neuseeland gewünscht. Mal sehen, ob es wirklich das letzte Abenteuer wird…