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Geschichten unserer Weltreise, Blog über Australien, Neuseeland und Asien, Work and Travel, Backpacker

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Die Pisten von Western Australia!

Raus aus Perth erwartete uns die australische Wildnis und nicht enden wollende geteerte Asphaltstraßen. Gut gerüstet sollte unser erster Stopp der Yanchep National Park sein. Der entpuppte sich aber eher als nett an einem See angelegter Park mit akkurat gemähten Rasen. Absolutes Highlight war ein Gehege mit Koalas, die wie immer vor sich hin gedöst haben, wie die Weltmeister. Nachdem wir einige von den Kollegen zu einem Foto überreden konnten, ging es weiter an der Küste entlang.

Die Pinnacles sind nördlich von Perth, das Tagesausflugsziel schlecht hin und das nicht ohne Grund. Hier stehen tausende Kalksteinsäulen in der Wüste, die teilweise mehrere Meter hoch sind. Das wirkt schon ganz schön außerirdisch, gerade weil die Geologen nicht genau wissen, warum und wie diese Gebilde entstanden sind. Wir fanden es aber klasse durch den Wald voller Steinsäulen zu wandern und mit unserer Moo auf dem Panoramarundweg herumzudüsen. Im Infocenter gab es wie immer tolle Infotafeln und Ausstellungen zur Flora und Fauna in der Gegend, aber nur wenig zur Historie und wie gesagt Geologie. Die Aborigines finden die Säulen bestimmt genauso interessant wie wir und erzählen sich ihre eigene Geschichte dazu. Wär nett auch die mal zu hören.

In Geraldton der nächsten größeren Stadt seit Perth (432km) haben wir uns ein ziemlich pompöses Denkmal über ein australisches Kriegsschiff angeschaut, das im Gefecht mit einem deutschen Schiff vor der Küste Western Australias zusammen untergegangen ist. Dabei sind jeweils beide Besatzungen ertrunken und niemand wusste bis vor ein paar Jahren, als die Wracks gefunden wurden, wie nah der zweite Weltkrieg an Perth (WA) war.

Dass wir dem Kalbarri National Park besuchen konnten, war ganz schön glücklich, denn dort wurde gerade die einzige Zufahrtsstraße zu den Hauptsehenswürdigkeiten gebaut. Da in den nächsten zwei Wochen Schulferien anstanden, wurde die Straße für ein paar Tage geöffnet. Der National Park ist bekannt für seine Wildblumen und in Jahrtausenden entstandenen Schluchten. Die Blumen fangen aber erst in einem Monat richtig an zu blühen. Da hat uns Australien mal wieder überrascht. So haben wir karge Landschaft, viel rote Erde und ab und an mal ein Känguru erwartet. Dass aber der Westen Australiens für seine farbenfrohen Wildblumen bekannt ist, war uns völlig neu. An der ersten Schlucht, die wir angeschaut haben, bildeten die verwitterten Felsen einen Bogen, der wie ein natürliches Fenster aussah. Als wir dort zur Fotosession ansetzen wollten, kamen gerade Lisa, Jeff und ihre Mitfahrer um die Ecke. Sie waren gerade einmal um die Schlucht gelaufen und haben uns den Wanderweg auch empfohlen. Da wir aber beide gerade mit einem Schnupfen zu kämpfen gehabt haben, sind wir lieber nicht gewandert. Wenn ihr euch die Bilder dazu anschaut, kann man uns mit Pullover und roter Nase sehen, wohingegen der Rest mit T-Shirt und Shorts unterwegs ist . An dem Tag sind wir noch zu ein paar Aussichtspunkten gefahren und haben am Abend zusammen gecampt. Blumen waren kaum zu sehen, also ging es weiter zur Shark Bay.

Diese ist verwirrender Weise nicht für besonders viele Haie, sondern handzahme Delfine berühmt. Ansonsten ist hier einer der ersten Europäer (1616, Dirk Hartog, niederländischer Entdecker) an Land gegangen und die Natur hat neben den Delfinen hier eine besondere Vielfalt. Deshalb ist die Region als Weltkulturerbestätte gelistet für ihre Natur und Kultur. Zuerst haben wir uns den Shelly Beach angeguckt. Das ist ein Strand der nicht aus Sand, sondern aus kleinen Muscheln besteht. An Land verwittern diese zu kleinen Stückchen und zusammen mit dem gelegentlichen Regen, den es hier wirklich geben soll, wird daraus eine betonharte Masse. In den ersten Jahren der Besiedlung, als das Baumaterial knapp war, weil es hier kaum Bäume gibt, wurde dieser Muschelbeton in Form von Ziegeln abgebaut, um Häuser zu bauen. Am nächsten Morgen wollten wir am Strand von Monkey Mia, die Delfinfütterung mitmachen. Also war die Frage, wo wir wohl campen wollen. Wir hatten uns für die bequeme Variante entschieden und direkt dort vor Ort im Resort unser Lager aufgeschlagen, die anderen sind in den Nationalpark gefahren und wollten früh hierher fahren. Bevor die Sonne untergegangen ist war noch ein bisschen Zeit und wir konnten noch einen späten Kaffee mit Cookies am Strand genießen. Zu unserer Verblüffung hat sich noch ein Delphin mit seinem Kalb blicken lassen. Sie haben ca. 1-2m von der Wasserkante entfernt gefischt. Cindy ist gleich mit der Kamera in der Hand aufgesprungen und ist zu der kleinen Traube Menschen, die direkt bei den Tieren standen, gelaufen. Friedrich war ein bisschen faul und ist etwas später losgegangen. Die Delphine haben am Strand entlang gejagt, weil die kleineren Fische sich im flachen Wasser zu verstecken versuchen. Es dauerte also nicht lange bis sie sich von den Menschen zu unserem Picknickplatz vorgearbeitet hatten. Gespannt das Rennen des kleinen Fisches zu beobachten ist Friedrich stehen geblieben und kurz bevor sie direkt vor ihm waren wirft der Delphin den gefangen Fisch in die Luft, um ihn dann zu verspeisen. Da staunte er nicht schlecht! In aller Frühe am nächsten Morgen versammelten sich ca. 100 Menschen, um die Fütterung der Delphine mitzuerleben. Ein Ranger erzählte allerlei Sachen über den Ort, die Delphine und Gott und die Welt, aber alle warteten gespannt, wann sie denn kommen. Ein paar Mal cruisten sie auch an den wild fotografierenden Leuten vorbei. Der Ranger konnte dann an den Finnen zuordnen, wie jeder Delphin heißt und seine Geschichte zum Besten geben. Gefüttert werden nur 5 Tiere und dann auch nicht bis sie pappsatt sind, sondern trotzdem noch jagen müssen. Deshalb sind nur selten alle 5 anwesend. Wir hatten mit Dreien das Vergnügen. Ein paar Helfer sind mit den Eimern und Fisch ins Wasser gekommen, das war das Startzeichen für die Tiere. Artig neben den Eimern wartend bekamen sie von den zufällig aus dem Publikum ausgewählten Leuten einen Fisch ins Maul geworfen. Leider waren wir nicht bei den Glücklichen dabei, aber das Schauspiel war schon beeindruckend. Nachdem der Eimer leer war ging es für die Delphine wieder Richtung Meer und die Menschen gingen zu ihrem Frühstück über. Das man eher wenig über die Tiere weiß ist schon erstaunlich, so sind sie doch eines der Beliebtesten überhaupt. Ein Delphin in ihrem Fütterungsprogramm hieß 10 Jahre lang Nick bis sie eines Tages mit einem Kalb auftauchte und ab dann Nicky genannt wurde. Auch durften die Besucher sie früher anfassen, was zu Hautkrankheiten bei den Tieren führte und ihre natürliche Hemmschwelle dem Menschen gegenüber zu sehr herabsetzte. Zusammen mit zu häufigen und zu umfangreichen Fütterungen hatten die Kälber eine 90%ige Sterberate, weil sie nicht von ihren Müttern beigebracht bekommen zu fischen. Das gehört zum Glück der Vergangenheit an und die Leute sind sehr darauf bedacht dem Menschen die Tiere zu zeigen und näher zu bringen, aber ihnen gleichzeitig nicht das natürliche Verhalten abzutrainieren. Den Nachmittag verbrachten wir am Strand sitzend unter unserem Sonnenschirm und den Delphinen zuschauend. Das war wirklich ein einmaliges Erlebnis! Zum Abschluss unserer Tage in der Shark Bay haben wir noch ein paar Stromatolithen beim blubbern zugeschaut. Legendäre Tierchen! Völlig platt von den Erlebnissen der letzten Tage hatten wir nur einen(Fahr-)Tag um durchzuatmen bis das nächste Highlight anstand.

Coral Bay ist ein 1A Touristenort, der nur aus einer Straße besteht und außerhalb der Saison wahrscheinlich ausgestorben ist. Der Grund für die vielen Touris ist, dass man hier ideale Bedingungen hat, um das Ningaloo Reef zu erforschen. Das ist deshalb so besonders, weil man schon nach ein paar Metern vom Strand weg den Kopf (vorzugsweise mit Taucherbrille und Schnorchel) unter Wasser stecken kann und sich das Riff anschauen kann. Hier handelt sich es um ein Saumriff, das immer direkt am Strand beginnt. Das berühmteste aller Riffe ist wohl das Great Barrier Reef und dies ist ein Barriereriff, da es sich in einiger Entfernung zum Land befindet und für Schiffe wie eine Barriere zum Anlanden ist. Genug zur Theorie, da Cindy immer noch einen gehörigen Respekt vor dem Meer und seinen ganzen totbringenden Bewohnern hatte, haben wir eine Tour in einem Glasbodenboot gemacht. So konnten wir trockenen Fußes alles beobachten und über die vielen bunten Fische staunen. Die Korallen waren dazu eher farblos, da es vornehmlich Steinkorallen waren. Diese gucken bei Ebbe aus dem Wasser und aufgrund der direkten Sonneneinstrahlung gibt es diese nur in Grau- bis Brauntönen. Die kleinen Zebrafische haben es uns besonders angetan. Sie verbringen ihr ganzes Leben max. 30 – 40 cm entfernt von einer Tasche einer Koralle, die ihnen Schutz bietet. Würden sie diese verlassen, kommt eventuell ein anderer Zebrafisch oder sie werden gefressen. Wir haben noch ein bisschen am Strand die Sonne genossen bis wir uns wieder auf die Socken gemacht haben.

Am Highway Richtung Norden sollten uns bis hinüber nach Queensland seltsame Säulen begleiten. Dabei handelt es sich um Termitenhügel, die in verschiedenen Formen und Größen in der Landschaft stehen. Sie verwenden dafür Gräser oder tote Bäume und gelten deshalb als Recycler in ihrem Ökosystem. Nach einem weiteren Tag im Auto sind wir in Exmouth, dem nordwestlichsten Punkt Australiens angekommen. Dort lässt es sich im Winter angenehm Urlaub machen und da die Schulferien im vollen Gange waren, war ordentlich etwas los. Der Grund warum viele Menschen hierher wollen ist, dass es dort Campingplätze direkt hinter den Dünen am Strand gibt und man super das Ningaloo Reef abschnorcheln kann. Da der ganze Küstenstreifen als Naturschutzgebiet geschützt ist, gibt es nur ein paar Plätze und diese sind sehr begehrt. Vorab reservieren ist nur für ein Teil möglich und seit Monaten ausgebucht. Die Info in Exmouth machte uns nur wenig Hoffnung. Freie Plätze werden jeden Morgen um 7 Uhr am Parkeingang (50km von Exmouth) vergeben. Jeff haben wir zufällig im Ort getroffen und auch er bestätigte uns, dass dort überall Schilder standen, dass nichts frei ist. Naja, dann fahren wir wenigstens mal rein und scheuen uns um, dachten wir. Eine knappe Stunde später hatten wir die Strecke um die Halbinsel geschafft und standen am Eingang des Nationalparks. Absolute Glücksschweine wie wir sind, war doch tatsächlich ein Platz für 2 Nächte freigeworden und wir konnten nun doch dort campen. Das heißt noch mal im Klartext: angenehm ruhiger Campplatz mit nur 10 Stellplätzen direkt hinter den Dünen (nur 100m bis zum Wasser), nach ein paar Metern beginnt das Riff und man kann vom Strand aus losschnocheln , für 2 Nächte. Die Tage haben wir auch richtig genossen und waren eine Schlucht in der Nähe erkunden, Friedrich war schnorcheln und natürlich ganz viel am Strand rumhängen inkl. Sonnenuntergänge überm Meer.

Gut erholt haben wir uns aufgemacht die Pilbara unsicher zu machen. Das Gebiet ist bekannt für seine Eisenerzvorkommen und damit verbundene extrem rote Erde und den Karijini National Park. Dort befindet sich der Ort Tom Price und der ist ein waschechtes Bergbaustädtchen, das extra für die benachbarte Mine aus dem Boden gestampft wurde. Überall laufen junge Menschen in Arbeitsmontur herum, die meisten Autos sind komplett in roten Staub oder Matsch gehüllt und haben Rundumleuchten auf dem Dach. Am nächsten Tag wollte Friedrich sich im Rahmen einer Tour die Mine etwas genauer anschauen. Für die Nacht als Campplatz hatten uns Susi und David den Mt. Nameless empfohlen. Der der Weg etwas holprig war, hatten sie erwähnt, aber dass wir den ganzen Weg mit eingeschaltetem Allradantrieb und Untersetzung fahren mussten, hatte uns dann schon überrascht. Der Ausblick mit Sonnenuntergang über den Bergen und die verdutzten Gesichter der anderen Leute, wie wir mit einem 20 Jahre alten Van den Berg erklimmen, war die Reise schon wert. Die beleuchtete Mine von oben aus in der Nacht zu sehen war auch toll. Ohne Probleme sind wir am nächsten Morgen auch wieder vom Berg herunter gekommen und Friedrich konnte pünktlich zu seiner Tour. Die war dann auch sehr informativ und man konnte die riesigen Gruben sehen und die überdimensional großen Bagger, Trucks und Servicefahrzeuge. Der Busfahrer hat auch Unmengen an Zahlen und Fakten genannt, die man schneller wieder vergessen hat, als das Gehirn gebraucht hat um festzustellen, dass sie größer/ höher waren als es sich vorstellen kann. Am Nachmittag ging es für uns dann weiter in den Karijini National Park. Dort haben wir uns die gewaltigen Schluchten etwas näher angeschaut. Es wirkt auch ein wenig apokalyptisch, wenn die rostrote Erde vor einem aufreißt und man in einen Abgrund schaut. Nur das grüne Wasser am Boden passt dabei nicht ins Bild. Verblüfft waren wir wieder von den nicht vorhandenen Sicherheitsmaßnahmen und -bedürfnis der Australier. So hatten die Aussichtspunkte noch ein paar gemauerte Treppen und ein Geländer zu bieten, aber der Wanderweg auf der anderen Seite war nicht mehr als ein Trampelpfad. So konnten wir eine Familie beobachten, die direkt am Abgrund Halt machte und die Kids haben ein paar Steine ins Wasser plumpsen lassen. Gleichzeitig kletterte ein junges Pärchen am Boden der Schlucht entlang und was die beiden dort gemacht haben, war uns auch nicht klar. Es ging nun mittlerweile mit großen Schritten Richtung Abend zu und das einzige Camp war 50km auf unbefestigter Straße entfernt. Da die Straßen im National Park bisher sehr gut in Schuss waren für Dirtroads, haben wir nicht schlecht gestaunt, als sich der Zustand plötzlich drastisch verschlechterte. Im Schneckentempo sind wir über die Fahrrillen gepoltert und haben gebetet, dass uns Moo diese Tour nicht übel nimmt. Völlig durchgeschüttelt mit Dröhnen im Kopf sind wir mit Stunden Verspätung angekommen. Das hat uns mal einen richtigen Vorgeschmack gegeben für weitere Offroadabenteuer. Am nächsten Vormittag haben wir die Schlucht neben dem Campingplatz erkundet. Dort sind wir zu einem Wasserfall gewandert und haben uns den mal richtig aus der Nähe angeschaut. Dann haben wir den tiefen Schluchten schon wieder zum Abschied gewunken und haben uns durch die rote Marslandschaft zurück an die Küste gekämpft.

Port Headland ist wieder eine aus dem Boden gestampfte Stadt, denn hier wird das geförderte Eisenerz verschifft. Der mit Abstand größte Abnehmer ist dabei China gefolgt von Japan. Chinas Rohstoffhunger ist auch der Hauptgrund für den Rohstoffboom in Australien. Dementsprechend gab es dort außer einer Tour durch die Hafenanlagen nichts zu sehen. Friedrich hat Moo noch schnell einen Ölwechsel verpasst und dann sind wir weiter Richtung der Perlentaucherstadt Broome gefahren. Dazwischen lagen nur 612km und ein ganzer Fahrtag. Hier im Nordwesten Australiens ist das nicht unbedingt eine Seltenheit, sondern schon fast der Normalfall. Broome sollte uns die nächsten Tage als tropischer Urlaubsort zur besten Reisezeit erwarten. So haben wir Sonnenuntergänge über dem Meer am Cabel Beach genossen, sind über kleine feine Märkte geschlendert, haben Dinosaurierspuren nachgejagt, in einem Museum über das harte Leben der Perlentaucher nachgedacht, uns von einer unglaublichen Anzahl von Mücken von unserem Strandcamp vertreiben lassen und zu guter Letzt das Schauspiel des Staircase to the Moon bestaunt. Letzteres entsteht wenn die Sonne gerade untergegangen ist und der Mond vom Horizont aufsteigt. Dabei leuchtet er im Abendrot und dieses besondere Licht wird bei Ebbe vom Watt reflektiert. Es sieht dann vom Strand aus als wären dort Stufen, die bis zum Mond reichen, deshalb auch die Bezeichnung Treppenstufen zum Mond. Das klingt jetzt auch ein bisschen kompliziert und ist nicht so leicht vorstellbar, aber wenn ihr die Bilder seht, wisst ihr was wir meinen. Lustige Anekdote während unserer entspannten Tage in Broome war, dass wir ohne uns Abzusprechen oder voneinander wussten, dass wir in der Gegend sind, drei Engländer wieder getroffen haben mit denen wir bei den Kirchen ein halbes Jahr vorher zusammen gearbeitet haben. Chris, Gerald und Lewis kamen ganz staubig und mit klappernden Autos in Broome auf der Suche nach Arbeit an. Als wir erzählten, dass wir die letzten 6 Monate nicht einen Finger krumm gemacht haben, wollten sie uns das nicht glauben. Sie konnten sich gerade so über Wasser halten und hatten weniger Glück bei der Jobsuche. Da dachten wir, dass bestätigt uns nur wie gut wir gehaushaltet haben mit unserem Geld. Nachdem sie uns von ihrer Reise von der Ostküste bis Broome erzählt haben und sich über die ganzen „trockenen“ Dörfer (ohne Läden für Alkohol) beklagt haben, ist uns eher klar geworden, dass weniger unsere Sparsamkeit, sondern der auch im Outback gelebte englische Lifestyle den Unterschied macht. So nach der Devise nie auf einen Drink verzichten und mehr als dreistellige Beträge auf dem Konto sind verpönt. Nichtdestotrotz sind die Drei mit ihrer herzlich-verrückt-verplanten Art total in Ordnung und es ist echt Schade gewesen, dass wir nicht noch ein paar Tage zusammen Broome unsicher gemacht haben. Diese Begegnung bestätigt unsere Theorie wieder, dass Australien ein Dorf ist und die riesigen Entfernungen nur Verzerrungen im Raum sind.

Die nächste Region auf der Karte, die wir erkunden wollten, waren die Kimberleys. Laut Reiseführer eine der Letzten nur spärlich besiedelten Landschaften Australiens, wenn nicht sogar der ganzen Welt. Der befestigte Highway verläuft mehr oder weniger außen herum und man sieht relativ wenig. Also heißt es alles festzuschnallen und ab auf die unbefestigten Pisten. Für dieses Abenteuer hatten wir uns ursprünglich mit Jeff und Lisa verabredet, um sich im Fall des Falles helfen zu können. Leider waren die beiden mit ihrer Crew etwas in Zeitnot gekommen und haben die Strecke schon eher angehen müssen. Die Gibb River Road ist eine mehr als 600km lange Schotter- und Staubpiste, die einmal quer durch die Kimberleys führt. Da man die meisten Sehenswürdigkeiten sehen kann ohne die komplette „Gibb“ zu fahren, haben wir uns für die Touristenrunde entschieden. Dabei fährt man die ersten 145km von Westen her in die Kimberleys hinein und biegt bei der letzten Möglichkeit wieder Richtung Highway ab. Diese Kostprobe hatte uns dann relativ schnell geheilt von dem Wunsch die ganze Gibb River Road zu fahren. Da die Schulferien gerade vorüber waren, war die Straße im wohl schlechtesten Zustand der Saison und die Fahrrillen waren durchgängig vorhanden. Das bedeutet klappern, scheppern und mit vollster Konzentration die Moo auf Kurs halten. Es kann schon mal vorkommen, dass ohne ersichtlichen Grund unser Heim auf 4 Rädern auf die andere Fahrbahnseite zieht und sich nur mit Mühe zurücktreiben lässt. Bei jedem Fahrzeug, das sich uns genähert hat, egal von welcher Seite, sind wir nur Schrittgeschwindigkeit gefahren. SAFETY FIRST! Interessant war auch gleich der erste Teil der Strecke, der war nur einspurig und wir mussten jedes Mal halb von der Straße, wenn etwas auf uns zukam. Zum Glück passiert das nur alle 15-20min hier draußen. So allein ist man im Outback gar nicht. Unser erster Halt war die Windjana Schlucht. Hier hat ein Fluss eine Schneise durch ein Jahrmillion altes Riff gespült. Ja richtig gehört: auf dem Festland Australiens, hunderte Kilometer vom Meer entfernt, im Outback befindet sich ein ehemaliges Riff. Die Süßwasserkrokodile, hier „Freshies“ genannt, waren eindeutig die Hauptattraktion. Friedrich hat mit ihnen vor der Kamera abgepost, für Cindy war das nix. Weiter südlich entlang des Riffs kamen wir zum Tunnel Creek. Wie der Name schon verrät, hat sich hier ein Bach den Weg in Form eines Tunnels unter dem Riff hindurch gebahnt. Da das doch ziemlich spannend klingt, haben die Aussis hier gleich mal einen Wanderweg daraus gemacht. Mit einer Taschenlampe, Badehose und ein bisschen Abenteuerlust kann den jeder meistern. Abenteuerlust und Badehose waren für uns kein Problem, aber es wär doch cleverer gewesen die Taschenlampen mit frischen Batterien auszustatten. So ging es mit unseren beiden Funzellichtern im Stockdunklen etwas langsamer voran. Sobald uns ein paar Leute entgegen kamen und wir in deren Lampen geschaut haben, waren wir erst mal blind. Danach konnten wir uns  mit deren Licht eine Vorstellung machen, welche Ausmaße die Höhle hat und natürlich auch mal nach dem Weg schauen. Auf der anderen Seite des Tunnels lag leider kein Schatz, sondern nur ein Wassertümpel. Jetzt sind wir noch bis zum Abend über die Schotterpiste bis zum Highway gescheppert, um morgen eine Bootsfahrt zu machen.

Genau, Bootsfahrt im Outback! Man könnte denken dort hinten in Australien ist es knochentrocken und immer brütend heiß. Letzteres stimmt auch, aber in der Regenzeit von November bis März schwellen die ausgetrockneten Flussbetten und wenigen ganzjährig wasserführenden Flüsse an und verwandeln sich in reißende Ströme. Die Geiki Schlucht liegt am südlichen Ende des Riffs und mit einer Bootstour kann man sie am besten erkunden. Logischerweise wimmelt es dort bei so viel Wasser nur so vor Leben. Der nette Bootsführer von der Naturschutzbehörde hat uns dann auch jeden Baum, jeden Vogel und jeden Gesteinstyp gezeigt und ausführlich erklärt.

Vollgestopft mit neuen Informationen ging es zurück auf den Highway, denn die lang ersehnte Bungle Bungle Range oder Purnululu Nationalpark standen zur Erkundung an. Bis dorthin trennten uns nur entspannte 400km. Also das mittlerweile gut trainierte Sitzfleisch in Position bringen und ab durch die Mitte. Der Park ist nur über eine 50km lange, schmale und kurvige unbefestigte Schotterpiste zu erreichen. Im Infoblatt werden für die Strecke 2-3h veranschlagt und ein Allradfahrzeug empfohlen. Na mal sehen wie wir uns schlagen. Nach drei Wasserlöchern, unzähligen Schlaglöchern/Fahrrillen und jeder Menge Staub waren wir knapp 2,5h später angekommen. Jetzt ging es nochmal 60 Minuten weiter zur Cathedral Schlucht. Dort konnten wir uns die eigenartigen Felsformationen und Gebilde etwas genauer anschauen. Am besten beschreibt man sie als Berge, die wie Bienenkörbe aussehen. Aufgrund einer speziellen Verwitterung, die auf eine Alge zurückgeht, sind die Gesteinsschichten abwechselnd rot oder schwarz (mit Alge). Die runden Formen des Gebirgszuges gehen auf die Verwitterung des Hauptbestandteils, den Sandstein zurück. Hier haben wir die Wanderschuhe geschnürt und sind passenderweise „ausgeschwärmt“, um mal Hand anzulegen. Wenn in der Regensaison der Himmel die Fluten öffnet und zwischen den Bergen das Wasser zusammenläuft, spült der Mix aus Sand und Wasser die Schluchten jedes Mal ein bisschen weiter aus. Die Cathedral Schlucht ist deshalb so besonders, weil an deren Ende ein riesiger Bereich ausgespült wurde und wir uns hier wie in einer Konzerthalle vorgekommen sind. Wir konnten uns auch ziemlich eindrucksvoll vorstellen, wie das Wasser über die Kante heruntergeschossen kommt, das ganze Ende der Schlucht füllt und dann weiter durch den schmaleren Teil seinen Weg macht. Einen nur wenige Meter breite, aber dafür hunderte Meter langen Spalt in die Berge haben wir danach auf der anderen Seite des Nationalparks besucht. Hier gab es nicht mehr diese einzigartige Schichtung, der Spalt war aber nicht weniger beeindruckend. Nachdem wir ein gutes Stück hineingegangen sind, wurde es richtig dunkel und kühl. Bis zum Ende sind wir leider nicht gegangen, weil wir noch den langen Rückweg vor uns hatten. So sind wir wohlbehalten nach insgesamt 200km bester australischer Outbackpiste und einem langen Tag voller Staunen und Wandern hundemüde eingeschlummert.

Unsere letzten Tage in Western Australia haben wir entspannt in Kununurra mit Entstauben, im Pool planschen und nächtlichen Lagerfeuern unter dem atemberaubendsten Sternenhimmel verbracht. Den dortigen Staudamm mit seinem riesigen See, der die lokale Agrarwirtschaft bei der Bewässerung unterstützt, haben wir auch einen Besuch abgestattet. Man mag es glauben oder nicht, aber dieses kleine Städtchen mitten im Nirgendwo ist ansonsten für seine Tourismusbranche bekannt. Wahrscheinlich werden hier die vom Regenwetter genervten Einwohner Perths eingeflogen, um auch im Winter die volle Dosis Sonnenstrahlen abzubekommen. Das Northern Territory ist der letzte Bundesstaat in Australien den wir noch nicht bereist haben. Warum es Territory heißt und was es dort alles zu sehen gibt, verraten wir im nächsten Blog.

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